RUNDUM GESUND

Markus Rehm auf dem Sprung
zum nächsten Paralympics-Gold

WEITENJÄGER MIT HIGHTECH-PROTHESE

 

Para-Weitspringer Markus Rehm hat eine große Vision: Er möchte den Weltrekord von körperlich nicht eingeschränkten Sportlern erreichen – der liegt bei 8,95 Metern. – Foto: Adobe

Markus Rehm aus Leverkusen ist einer der weltbesten Leichtathleten im Behindertensport. Mit einem neuen Weltrekord (8,62 Meter!) unter-mauerte der unterschenkelamputierte Weitspringer Anfang Juni seine Favoritenrolle für die im August beginnenden Paralympics, quasi die olympischen Spiele für Sportler mit Behinderung. Was motiviert den 32-Jährigen zu immer neuen Siegen und Rekordweiten?

Mit einem Sportunfall fing alles an: Im August 2003 verunglückte der damals 14-Jährige Markus Rehm beim Wakeboard-Training. (Das Wakeboard ist eine Art Surfbrett, mit dem der Sportler von einem Motorboot oder einem Wasserskilift gezogen übers Wasser gleitet und teils waghalsige Sprünge macht.) Der Unfall führte dazu, dass sein rechtes Bein unterhalb des Knies amputiert werden musste.

Die Amputation war für den sportbegeisterten Teenager ein extrem harter Schlag. Die ersten Monate waren sowohl körperlich als auch mental schwierig. Bis ihn der Ehrgeiz packte: „Ich wollte wissen, wozu ich trotz der Prothese noch in der Lage bin.”

„Du kannst trotzdem alles tun, was du machen möchtest“

Der Sport half ihm, das Tief zu überwinden. Aufgeben war für ihn jedenfalls nie ein Thema: „Ich versuche allen zu zeigen, dass eine Behinderung kein Handicap ist. Du kannst trotzdem alles tun, was du im Leben machen möchtest.”

Das beweist Markus Rehm als Leistungssportler: Seit vielen Jahren ist er einer der weltbesten Leichtathleten im Behindertensport. In seiner Paradedisziplin Weitsprung, aber auch als Sprinter, hat der Leverkusener schon zahlreiche internationale Titel geholt, wurde unter anderem mehrfach Weltmeister und Paralympics-Champion.

Orthopädietechniker und Prothesen-Tüftler

Ein Baustein seiner Erfolge ist seine Sportfeder aus Karbonfasern, der soge-nannte „Cheetah-Xpanse“-Prothesenfuß von Össur. In enger Zusammenarbeit mit den Experten des isländischen Herstellers tüftelt er unentwegt daran, diese Feder durch ein individuelles Setup noch besser zu machen, so dass sie ihm zu immer neuen sportlichen Rekorden und Siegen verhilft.

In enger Zusammenarbeit mit seinem Prothesenausrüster Össur tüftelt Markus Rehm intensiv an der für ihn optimalen Unterstützung für noch weitere Flüge. – Foto: © by Össur hf

Dabei kommt Markus Rehm zugute, dass er vom Fach ist: Der 32-Jährige absolvierte eine Lehre als Orthopädietechniker, ist inzwischen sogar Meister. Beste Voraussetzungen also, um seine Prothesen maßgeschneidert auf seine Bedürfnisse und Vorstellungen anzupassen. „Ich bin“ so bekennt er, „ziemlich akribisch, was die Justierung und den Aufbau meiner Prothese angeht. Da stehe ich auch schon mal bis spätabends in der Werkstatt, um die richtige Einstellung zu finden.“

Drittes Paralympics-Gold im Visier

Denn er hat trotz aller Erfolge nach wie vor große Ziele. So möchte er bei den diesjährigen paralympischen Spielen (24. August bis 5. September in Tokio) wieder die Goldmedaille im Weitsprung holen – wie schon 2012 in London und 2016 in Rio. Mit seiner neuen Weltrekordweite untermauerte Markus Rehm seine Favoritenrolle höchst eindrucksvoll: Bei den Europameis-terschaften der Para-Leichtathleten Anfang Juni verbesserte er seinen eigenen Weltrekord um gleich 14 Zentimeter: Beim dritten Sprung flog er bis auf 8,62 Meter – mehr als eineinhalb Meter weiter als der Zweitplatzierte.

Nur noch 33 Zentimeter bis zum absoluten Rekord

Den weitesten Sprung der Sportgeschichte – das ist die große Vision von Markus Rehm. – Foto: © by Össur hf

Seiner ganz großen Vision ist „The Blade Jumper” Markus damit schon wieder einen großen Schritt nähergekommen: Er strebt danach, den Weltrekord von körperlich nicht eingeschränkten Sportlern zu erreichen. Der liegt seit 30 Jahren bei 8,95 Metern – dazu fehlen ihm jetzt nur noch 33 Zentimeter. In der ewigen Weltbestenliste liegt der fliegende Orthopädietechniker bereits auf dem dritten Platz hinter Mike Powell (USA/8,95) und Bob Beamon (USA/8,90).

Quelle: Össur hf